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Die Obstwiese bei Hornburg, Pachtgebiet unserer Kreisgruppe
von Rolf Reichelt, geschrieben im Jahr 1987.
Die Möglichkeit der Pacht einer Obstwiese kam nicht nur sehr überraschend, sondern ließ durch die flächenmäßige Ausdehnung des Geländes auch Bedenken aufkommen, ob die
Kreisgruppe mit ihren wenigen aktiven Naturschützern auch in der Lage sein würde, einen Pflegeplan, der verschiedene Maßnahmen vorsieht, durchzuführen.
Nach einer Ortsbesichtigung mit dem gesamten Vorstand der Kreisgruppe im August 1987 ist der Beschluss einstimmig gefallen: Ein derartiger Lebensraum „Obstwiese“
muss unsere Aktivitäten ganz einfach herausfordern: Das Obstwiesengelände sollte gepachtet werden.
Der amtliche Naturschutz- Untere Naturschutzbehörde beim Landkreis Wolfenbüttel müsste allerdings um finanzielle Hilfe gebeten werden. Die Pachtdauer soll wenigstens 10
Jahre betragen.
Der Pachtvertrag wurde im November 1987 von beiden Seiten, der Eigentümerin und dem Vorstand des Landesverbandes, unterschrieben.
Lebensraum Obstwiese – schutzwürdig!
Obstbaumanpflanzungen im Grünland in Reihen, Gruppen oder in unregelmäßiger Anordnung nennt man Obstwiese, wenn Sie nicht nach bestimmten Spritz-, Schnitt- und
Düngeplänen intensiv bewirtschaftet werden.
Solche hochstämmigen Apfel-, Birnen-, Pflaumen- und Kirschbäume umgaben früher als breite Grüngürtel unsere Ortschaften und prägten als aufgelockerte Obstfelder vor
allem das Vorfeld der Mittelgebirge. Seit mehr als 30 Jahren gehen in allen Bundesländern die Obstwiesen stark zurück.
Hauptursachen sind:
-Ausweitung der Siedlungs- und Industrieflächen
-Umwandlung in landwirtschaftliche Flächenmäßige-Vernachlässigung, da heute keine wirtschaftliche Nutzung angestrebt wird (Kiwi's aus Neuseeland und Weintrauben aus
Südafrika sind ja heute in jedem Supermarkt preiswert zu haben).
Auch der Hornburger Obstwiese drohte das Schicksal der Vernichtung, denn, so ließ die Eigentümerin wissen, hätte sich kein Pächter für die Pflege des Geländes gefunden,
wäre die Obstwiese an einen Landwirt verpachtet worden. Dieser war zur Übernahme bereit, wenn keine Bäume im Wege stünden. Auf einer Fläche von ca. 25.000 m⊃2; wären dann dreihundert Kirschbäume, fast alle
über 30 Jahre alt, gefällt worden!
Dieser Gedanke erschien uns katastrophal!
Denn wie wichtig diese Obstwiese für Fauna und Flora ist, konnten wir auf nur wenigen Beobachtungsgängen bereits feststellen, Neuntöter, Kernbeißer, Pirol, Turteltaube,
Schwarzspecht, Wendehals, Gartenrotschwanz, Wildbienen, verschiedene Heuschreckenarten, Ochsenaugenfalter und Widderchen, aber auch botanische Raritäten wie z.B. die Karthäusernelke unterstreichen dies eigentlich
kommentarlos!
Bereits vor Abschluss des Pachtvertrages wurde der Landkreis Wolfenbüttel angeschrieben und gebeten, die Pachtkosten, ca. 1.500,00 DM/Jahr, zu übernehmen. Eine Antwort
steht noch aus, es wird eine Entscheidung in den politischen Gremien (Kreistag) geben. Der Umweltausschuss wird in einer der nächsten Sitzungen dieses Thema beraten.
Der Vorstand unserer Kreisgruppe ist bemüht, einen Landwirt in der Nähe zu finden, der trotz der „im Wege stehenden Bäume“ das Gelände jährlich einmal, etwa im
Juni, mäht und zu Heu trocknet, so wie es hier in früheren Jahren auch gemacht wurde. Aufgrund dieser langjährigen Pflege ist die gepachtete Obstwiese gleichzeitig auch eine hervorragende Blumenwiese!
Obstwiesen sind wichtig, deshalb sollten sie in einem lockeren Netz um Ortschaften und der freien Landschaft erhalten und und wo möglich neu angelegt werden.
Dafür sprechen folgende Argumente:
-Obstwiesen geben Erträge für den Eigenverbrauch
-Obstwiesen sind Heimstätten für viele „nützliche“ Tiere, die in angrenzenden Flächen „Schädlinge“ vertilgen
-Obstwiesen sind der Lebensraum für charakteristische Tierarten, die nicht auf andere Flächen ausweichen können und daher vom Aussterben bedroht sind
-Obstwiesen mit ihren umfangreichen Blütenflächen sind eine wichtige Bienen- und Insektenweide
-Obstwiesen schützen den Boden vor Erosion
-Obstwiesen sind wichtige gliedernde und belebende Elemente der Landschaft, sie erhalten und schaffen vor allem mit Grüngürteln um Ortschaften ein ausgewogenen
Landschaftsbild.
Nahrungskette der Obstwiesen aus „Schädlingen“ und „Nützlingen“
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Extensiv gepflegte Obstbäume stellen im 1. Glied der Nahrungskette pflanzliche Nahrung mehr für wirbellose Tiere als für Wirbeltiere
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Holz für Bockkäfer, Holzwespen und Schmetterlinge; Blätter für Schmetterlingslarven; Knospen und Säfte für Stecher, Wickler, Milben
und Blattläuse; Früchte, Kerne und Samen für Vögel, Nagetiere und Fliegen; Algen und Flechten für Milben, Schnecken und Schmetterlinge.
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Auch im 2. Glied dominieren die Insekten. Hier vernichten Nützlinge Schädlinge, sie sind z.T. Auf bestimmte Arten spezialisiert.
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Blutläuse für Blutzehrwespen; Blattläuse für Florfliegen und Marienkäfer; Schmetterlingsraupen für Puppenräuber; Insektenlarven für
Schlupf- und Erzwespen sowie Raupen und Schwebfliegen; Gliedertiere für Raubwanzen, Spinnen, Weberknechte, Hundertfüßler und Milben.
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Im 3. Glied folgen die Wirbeltiere. Sie fressen Insekten, Würmer, Schnecken und Pflanzen, seltener andere Wirbeltiere.
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Insekten bzw. Gliedertiere für Fledermäuse, Reptilien, Lurche, Spitzmäuse, Spechte, Baumläufer u.a. Insekten und Kleinsäuger für
Neuntöter und Grauwürger; Kleinsäuger, Würmer, Schnecken für Vögel und andere Wirbeltiere.
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Im vierten und letzen Glied finden wir die Endverbraucher. Es sind Säugetiere und Vögel, die sich wiederum von Säugetieren und Vögeln
ernähren.
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Säugetiere und Vögel für Steinkauz, Baumfalke, Sperber, Waldohreule usw., Steinmarder,Mauswiesel, Hermelin und Iltis, Fuchs.
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Zwischen den Kettengliedern haben wir zusätzlich jene Tiere und Pflanzen, die bildlich
gesprochen „die Reste“ verzehren und das „Speiserestaurant Obstbaum“ sauber halten. Es sind die Alles- und Abfallfresser, die Aas- und Schmutzfresser wie Rabenkrähe,
Elster, Igel, Springschwänze, Pilze und Bakterien.
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